Europ. Ges. Krisenp.

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Hier finden Sie Informationen über die


1. Wissenschaftliche Grundlegung der Krisenpädagogik im Jahre 1992 durch das Buch "Nachtstunden des Lebens".

2. Weiterentwicklung des Konzepts im Jahre 2002 bis 2011 im dreibändigen Werk "Krisenpädagogik".

3. Praktische Umsetzung seit 2008 in der einjährigen  AUSBILDUNG  und der drei bis fünfjährigen  WEITERBILDUNG .

 
Durst nach Sinn

Katze trinkt

... ist das Kennzeichen unserer Zeit
    1. Wissenschaftliche Grundlegung (1992)

    Kernidee: Jede Krise ist zunächst einmal ein äußeres Ereignis, etwas, das außerhalb des Ich passiert. Dass dieses äußere Geschehen uns tangiert, geht auf die Erkenntnistätigkeit des Bewusstseins zurück. Das Bewusstsein spricht diesem äußeren Geschehen einen Sinn zu, im Falle der Krise einen schmerzhaften und bedrückenden Sinn. Krisenpädagogik setzt hier an und fragt: Wie kann das Bewusstsein dazu gebracht werden, sich von der unheilvollen Fixierung auf diesen schmerzhaften und bedrückenden Sinn zu lösen und in der Krise einen für die eigene Persönlichkeitsentwicklung notwendigen und förderlichen Sinn zu entdecken? In der Beratung wird also Bewusstseinsarbeit geleistet und nach einem neuen Sinn gesucht. Damit sind schon die beiden tragenden Begriffe der Krisenpädagogik genannt, nämlich: Bewusstsein und Sinn.

  Grundlegung der Krisenpädagogik im Jahre 1992

Nachtstunden des Lebens 1992

Dieses Buch ist leider vergriffen

    Um diese beiden Begriffe zu untersuchen, greift die Krisenpädagogik auf zwei monumentale Quellen zurück, nämlich auf Friedrich Hegels unübertroffene Philosophie des Bewusstseins (HEGEL) und auf Viktor Frankls geniale Anthropologie und Psychologie, bekannt unter dem Namen Logotherapie und Existenzanalyse (FRANKL). Die genuine Leistung der Krisenpädagogik (nach Prof. Amini) liegt darin, diese beiden Quellen zu einer Synthese zusammen fließen zu lassen. In dieser Synthese stellen sich Bewusstsein und Sinn als die beiden Seiten derselben Medaille heraus. Sie sind eine Einheit, die aus zwei Hälften besteht. In der Philosophie nennt man das eine Polarität. Pol und Gegenpol, Satz und Gegensatz, Teil und Gegenteil ergänzen sich so, dass aus ihrer Wechselwirkung und Wechselentsprechung ein Ganzes und ganz Eines entsteht. Das einfachste Beispiel für Polarität ist der Atmungsvorgang, der aus zwei Hälften besteht, nämlich Einatmen und Ausatmen. Näher betrachtet, stellt man folgendes fest: Aus dem Einatmen geht das Ausatmen hervor und umgekehrt. Die Atmung ist die Einheit der Gegensätze Ein- und Ausatmen, die sich nicht ausschließen, sondern ganz im Gegenteil: Sie schließen sich ein; mehr noch: Sie bedingen sich wechselseitig. Ähnlich die Herztätigkeit, die ebenfalls aus zwei Hälften besteht, nämlich Systole und Diastole (Saugen und Pumpen). Das Saugen ermöglicht erst das Pumpen und umgekehrt. Das Phänomen Polarität zeigt sich im Kern aller Lebensphänomene. Ja, das Leben selbst ist ebenfalls polar beschaffen. "Birth is the first step to death."  

    In Analogie dazu wird das Phänomen Krise als nur eine Hälfte des Geschehens betrachtet; die andere Hälfte ist Entwicklung. Krisenbewältigung besteht aus einem Reifungsprozess, bei dem die betroffene Person lernt, die Verflochtenheit beider Seiten zu erkennen. Eine solche Erkenntnis ist eine Art geistiger Neugeburt. Den Sinn begreifen ist die Voraussetzung für Reifen; wer reift, begreift, dass es in der Krise nicht auf das Aufgeben des Lebens ankommt, sondern auf die Lösung der Aufgaben im Leben. Krisen können wir nicht umgehen, wohl aber können und müssen wir lernen, mit ihnen umzugehen. Dieses Lernen ist etwas ganz Besonderes, weil es eine existenziell bedeutsame Erfahrung vermittelt. Es ist die Grundlage für Lebenserfahrung, Charakterstärke und Weisheit. 

Polarität Bewusstsein/Sinn

Bew-Sinn-Diagr


Quelle: Krisenpädagogik Band 2, S. 18
    2. Weiterentwicklung des Konzepts (2002 - 2011)
     
    Das wissenschaftlich begründete Konzept von 1992 wurde mehr als ein Jahrzehnt an der Universität Kiel erforscht, in der Lehre verfeinert und schließlich in der Beratungspraxis erprobt. In dieser Zeit wurde die Krisenpädagogik als wissenschaftliches Forschungsgebiet anerkannt und als eine neue Subdisziplin in die Erziehungswissenschaft aufgenommen (vgl. GESAMTWERK Angaben unter 3.8 bis 3.12). Über die Krisenpädagogik werden bereits Diplom- und Magisterarbeiten geschrieben.

    Von 2002 bis 2011 wurde das Konzept in einer gänzlich neu formulierten Fassung vorgelegt (vgl. das dreibändige Werk "Krisenpädagogik"). Die theoretische Grundlegung blieb unverändert. Sie wurde aber jetzt konkretisiert und mit vielen Fallbeispielen aus der Praxis dokumentiert. Mit dieser Neufassung wurde der Durchbruch von der theoretischen Grundlegung bis zur Praxis der Beratung, Ausbildung, Supervision und Monitoring vollzogen.

    Im Jahre 2008 wurden zwei weitere Schritte in Richtung Praxis unternommen: 1. die Etablierung der einjährigen  Ausbildung (AUSBILDUNG) und 2. die Etablierung der drei bis fünfjährigen Weiterbildung (WEITERBILDUNG), genannt Krisenpädagogicum. Für jede der beiden Qualifikationen stellt die Europäische Gesellschaft für Krisenpädagogik (WWW.EGKP.EU)  ein Zertifikat aus.

    Weiterentwicklung der Krisenpädagogik

    Krisenpädagogik Band 1: Veränderung und Sinn    Krisenpädagogik Band 2: Krise und Entwicklung     Krisenpädagogik Band 3

           Krisenpädagogik 1 (2002)                   Krisenpädagogik 2 (2004)                 Krisenpädagogik 3 (2011) 

    Strukturell hat sich nichts Wesentliches verändert. Um so mehr aber im Detail. Über zwei Aspekte in der Neufassung soll hier in Kurzform informiert werden, nämlich: das Kompetenz-Modell und die Pädagogische Kommunikation.


    2.1. Das Kompetenz-Modell


    Es werden 3 Bereiche des Kompetenzerwerbs beschrieben und in der Aus- und Weiterbildung vermittelt:
     
      Sachkompetenz zur Bewältigung der Probleme in der äußeren Welt (Berufsaspekt).
      Sozialkompetenz zur Bewältigung der Probleme in der sozialen Welt (Kommunikationsaspekt).
      Selbstkompetenz zur Bewältigung der Probleme in der inneren Welt (Selbsterkenntnis).
     
    Sachkompetenz, Sozialkompetenz und Selbstkompetenz sind die 3 Kompetenzen, die jeder Mensch erwerben muss, wenn er sein Lebenskonzept erfolgreich verwirklichen will (s. Grafik unten).

    Wir können uns erstens in einem Sachgebiet bilden, z. B. Arzt, Techniker oder Lehrer werden. Die hier erworbene, meist berufsbezogene Sachkompetenz ist für die Absicherung unseres Lebensunterhalts unerlässlich.

    Wir können uns zweitens für bessere Kommunikation mit anderen Menschen bilden. Die hier erworbene Sozialkompetenz ist für den friedlichen Umgang mit unseren Nachbarn, Kollegen, Freunden und Bekannten oder bei der Gesprächsführung in der Leitungsposition unerlässlich. Wer diese Kompetenz hat, ist übrigens nicht nur geachtet, sondern auch beliebt. Sein Rat ist gefragt, sein Wort hat Gewicht.

    Wir können uns drittens in Hinsicht auf unser eigenes Selbst bilden, d. h. unsere Selbsterkenntnis vertiefen und so unsere Selbstkompetenz steigern. Selbstkompetenz ist für die Verwirklichung des Lebenskonzepts und für die Bewältigung von Lebenskrisen unerlässlich. Selbsterkenntnis ist die höchste denkbare Kompetenz, die wir im Leben überhaupt erwerben können. Sie ist der Schlüssel zum Selbstverstehen und damit auch der Schlüssel zum Weltverständnis und erst recht der Schlüssel zum beruflichen Erfolg. Nichts in der Welt ist geheimnisvoller als das eigene Selbst. Niemand ist uns so fremd wie das eigene Selbst. Wie aber soll ein Mensch, der nicht einmal sich selbst kennt oder versteht, andere Menschen, die Welt oder gar Gott verstehen können? In der krisenpädagogischen Aus- und Weiterbildung hat der Erwerb von Selbstkompetenz den höchsten Stellenwert --> AUSBILDUNG .
Das Kompetenzmodell der Krisenpädagogik 
Kompetenz-Modell

Quelle: Krisenpädagogik Band 2, S. 30


            Wer keine Sachkompetenz hat, hat ein Problem.
                    Wer keine Sozialkompetenz hat, hat manche Probleme.
                        Wer keine Selbstkompetenz hat, hat nur Probleme und erzeugt chronisch Krisen.

2.2.  Pädagogische Kommunikation

Das pädagogisch orientierte Konzept der Kommunikation sucht nach sinnvollen Wegen friedlichen Umgangs im täglichen Leben der Menschen. Viele Beziehungskrisen entstehen nachweislich durch chronisch schief laufende Kommunikation. Das hat einen Grund: Wir lernen nirgendwo, wie Kommunikation gelingt. Fast alle Bildungseinrichtungen (Schule, Hochschule, betriebliche Ausbildung, Erwachsenenbildung usw.) haben sich auf die Vermittlung von Sachkompetenz spezialisiert. Ist die berufliche Ausbildung abgeschlossen, so ist man zwar fachlich kompetent, aber in Hinsicht auf kommunikative Kompetenz noch ein blutiger Anfänger. Ärzte, Krankenschwester, Sozialarbeiter, Menschen in helfenden Berufen, ja sogar Lehrer und Hochschullehrer mögen hohe Sachkompetenz haben. Das bedeutet aber nicht, dass sie zwangsläufig auch mit ihren Mitmenschen friedlich kommunizieren können. Wo sollten sie auch diese Sozialkompetenz erworben haben? Diese Lücke schließt das Konzept Pädagogische Kommunikation, insbesondere im 3. Band der Krisenpädagogik.

Kommunikation muss jeder lernen. Sie ist für den zwischenmenschlichen Frieden ebenso wichtig wie für den Frieden zwischen den Völkern. Im Band 2 der Krisenpädagogik wird daher die aus der Literatur bekannte Einteilung der Krisen in "Normalkrisen" versus "Schicksalhafte Krisen" um zwei weitere Typen ergänzt, nämlich um kommunikative Krisen und spirituelle Krisen. Kommunikative Krisen stehen oft im Mittelpunkt, spirituelle Krisen meist an der Grenze des Lebens. Bei dem einen Krisentyp geht es um Sterben und Tod, bei dem anderen Typ um den banalen Alltag. Beide Lebenssituationen können belastend oder bereichernd sein. Krisenpädagogik will Menschen für beide Situationen sensibilisieren getreu nach Platons Spruch: Philosophieren heißt sterben lernen; sterben lernen ist aber nichts anderes als leben lernen.
3. Praktische Umsetzung in der Ausbildung und Weiterbildung (seit 2008)

Während sich die Krisenpädagogik bei der wissenschaftlichen Grundlegung auf die Begriffe Bewusstsein und Sinn stützt, verfolgt sie in der praktischen Umsetzung in der einjährigen Aus- und drei bis fünfjährigen Weiterbildung 3 Ziele, nämlich a) ethisches Menschenbild, b) gelingende Kommunikation und c) stabile Gesundheit. Näheres dazu im Band 3 der Krisenpädagogik.

3.1. Ethisches Menschenbild 
Die Ethik spiegelt das Menschenbild in der Krisenpädagogik wider. Sie reflektiert über erstrebenswerte Ziele von Menschsein und Menschwerden. Ethisch gesehen, lässt sich die Situation eines Ratsuchenden so beschreiben: Da sitzt ein verzweifelter Mensch vor uns, der unter dem Druck der Lebensereignisse zusammengebrochen und dessen Selbstwertgefühl auf das Minimum gesunken ist. Sein gegenwärtiger Zustand ist ungeordnet und seine Zukunftsperspektiven düster. Krisenpädagogische Beratung wird Ordnung in seinen momentanen Zustand bringen und Perspektiven für seine Zukunft ausloten, damit Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl steigen. Krisenpädagogik hat dieses ethische Ziel mit dem Ausdruck: den Anderen heben belegt. Folgende Maximen leiten dabei die BeraterInnen:

Maxime I
Menschen, die krisenpädagogischen Rat suchen, sind nicht krank. Sie haben nur ein Problem, das sie im Moment allein nicht bewältigen können. Daher sind sie weder als
KlientInnen noch als PatientInnen zu betrachten. Sie sind unsere GesprächspartnerInnen, in gewisser Weise sind sie sogar unser "Boss" (nicht zu verwechseln mit "Chef").

Maxime II
Menschen, die krisenpädagogisch beraten, verstehen sich nicht nur als HelferInnen bei der Bewusstseinsentwicklung und Sinnfindung, sondern in gewisser Weise auch als "DienerInnen" (nicht zu verwechseln mit "Knechten"). Der Boss sucht nach einer Lösung für sein Problem; der Krisenpädagoge dient dabei als Helfer bei der Sinnfindung durch Bewusstseinsarbeit.

Maxime III
Bei der krisenpädagogischen Beratung geht es nicht um eine umfassende Analyse der Vergangenheit. Krisenpädagogik ist lösungsorientiert und sucht nach einem Ausweg aus der gegenwärtigen Lage und einer sinnvollen Lebensgestaltung in naher Zukunft. Ob die vorgeschlagenen Lösungen gut, brauchbar und umsetzbar sind, entscheidet der Boss.

Maxime IV
Krisenpädagogik vermittelt Sachkompetenz und fördert die Sozial- und Selbstkompetenz. Darüber hinaus unterstützt sie die Gesundheit in ganzheitlicher Hinsicht. Das dazu nötige Wissen und Können sind interdisziplinär zusammengetragen und werden bei der individuellen Beratung maßgeschneidert umgesetzt.

Maxime V
Alles Wissen nützt wenig, wenn den KrisenpädagogInnen die humane Grundhaltung und edle Charaktereigenschaften fehlen, z. B. Liebe, Menschlichkeit, Bescheidenheit, Voraussicht, Intuition und Weisheit.


3.2. Respektvolle und gelingende Kommunikation 
Wir Menschen werden durch Kommunikation mit den anderen Menschen sozialisiert, also auf das soziale Miteinander vorbereitet. Die Kommunikation lehrt uns, wie wir unsere Mitwelt wahrnehmen müssen. Diese Wahrnehmung setzen wir bei den Anderen auch voraus. Wir tauschen diese Wahrnehmungen durch Mitteilung. Darin steckt auch: miteinander teilen. Das ist die Basis für den Erwerb von Sozialkompetenz. Kommunikation lässt sich somit mit einer Brille vergleichen, durch die wir unsere soziale Welt überhaupt erst sehen lernen. Wenn nun diese Sicht egoistisch und respektlos ist, kommt es zu kommunikativen Krisen. Dann versteht man sich nicht mehr. Dann gibt es täglich Streit, weil man aneinander vorbei redet. Jedes Wort erzeugt bald nur noch Spannung. Das führt am Ende zu einer Vergiftung der Atmosphäre, in der nichts mehr gelingt. Oder es sieht zwar alles friedlich aus, aber das scheinbar nette Gespräch entartet immer wieder zu einem Doppelmonolog. Keiner hört zu, aber jeder redet über sich selbst. Jeder öffnet schnell seine Ich-Kiste und benutzt den Anderen allenfalls als Stichwortgeber.

Die krisenpädagogische Beratungserfahrung zeigt: Krisen diesen Typs verschwinden, wenn die betroffene Person ihre Brille einmal kurz absetzt und die Welt durch eine andere Brille betrachtet. Krisenpädagogik hat für diese Bewusstseinsarbeit folgenden Satz geprägt: Andere Sicht, andere Ansicht; andere Ansicht, andere Einsicht; andere Einsicht, andere Welt. Ändere du deine Sicht, und die Welt ändert ihr Gesicht. Das 3. Modul der Ausbildung widmet sich dieser Arbeit, um die Sozialkompetenz zu steigern und zu verfeinern.

Das eigens entwickelte krisenpädagogische Kommunikationskonzept wird nicht therapeutisch, sondern pädagogisch eingesetzt. Sie analysiert die Kommunikation und ermittelt die wiederkehrenden neuralgischen Punkte. Sie schärft das Bewusstsein für den schief gelaufenen Kommunikationsablauf und leistet Prophylaxe für zukünftige Kommunikation. Sie spürt die festgefahrenen Sichtweisen auf und macht die zementierten kommunikativen Muster bewusst. Sie entlarvt erstarrte Lebensgewohnheiten und motiviert zur Einübung alternativer Muster. Dadurch lösen sich in der  verkrustete Strukturen auf. Der Respekt vor dem Anderen steigt und das soziale Miteinander gelingt besser. 

In der Ausbildung wird das Kommunikationskonzept der Krisenpädagogik vermittelt, veranschaulicht und durch Partnerarbeit gefestigt. In der Weiterbildung wird es dann nachhaltig geübt und supervidiert. Dafür hat die Krisenpädagogik spezielle Übungen entwickelt, die jeweils unter einem Leitsatz stehen. Hier ein Überblick über die 10 krisenpädagogischen Leitsätze der Kommunikation:


1.   Ich achte auf die Körpersprache.
2.   Ich bin präsent und höre konzentriert jedes Wort.
3.   Ich bin empathisch, ohne die Distanz zu verlieren.
4.   Ich versuche, den Kern des Problems zu erkennen.
5.   Ich verorte das Problem.
6.   Ich registriere  Hinweise auf mögliche Lösungen.
7.   Ich suche nach der Kehrseite der Krise.
8.   Ich suche nach Sinn und Entwicklungschancen.
9.   Ich biete helfende Begleitung an.
10. Ich versuche zu leben, was ich rate.


3.3. Stabile Gesundheit  
Gesundheit ist unser höchstes Gut. In Krisenzeiten ist sie extrem gefährdet. Wie soll man sich in Krisenzeiten ernähren? Welche Getränke sollte man meiden? Wie steht es mit dem Tag- und Nachtrhythmus? Das sind wichtige Faktoren bei der Krisenbewältigung.

Krisenpädagogik hat ein Gesundheitskonzept entwickelt, das 1990 im renommierten Verlag Rowohlt publiziert wurde. Dieses ganzheitliche Konzept trägt den Titel
INNERE HARMONIE. KÖRPER, SEELE UND GEIST IM GLEICHGEWICHT. Es hat schon vielen Menschen durch einfache Hinweise zur Umstellung der Ernährung geholfen. Das gleichnamige Buch hat mittlerweile viele Auflagen erlebt; es wurde ins Englische und Japanische übersetzt. In diesem Konzept wird der Mensch als Einheit von Körper, Seele und Geist betrachtet. Alle drei Bereiche hängen eng zusammen und beeinflussen sich wechselseitig. Hat der Mensch körperlich eine Krise (etwa durch eine Krankheit), so ist er ebenso seelisch wie geistig belastet. Hat er eine psychische Krise (verursacht durch Trennung oder Verlust), so ist er ebenso körperlich und geistig belastet. Es gibt nur einen vernünftigen Weg, der bei der Krisenbewältigung zum Erfolg führen kann, nämlich die ganzheitliche Sicht. Einzelwissenschaften können diesen Weg nicht gehen, das kann nur die Philosophie. Denn: Jede Wissenschaft muss sich spezialisieren; sie muss analysieren und differenzieren. Aber das Leben ist nun einmal eine Ganzheit, das sich nicht in Einzelteile zerlegen lässt. Hier hängt alles mit allem zusammen, und das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile. Im ganzheitlichen Gesundheitskonzept der Krisenpädagogik, wie es im Buch "Innere Harmonie" dargestellt ist, wird der Körper durch gesunde Ernährung, die Seele durch Meditation und der Geist durch Sinnsuche und Sinnerfüllung ins Gleichgewicht gebracht.

Wir brauchen ein viel feineres Bewusstsein für die Erhaltung unserer Gesundheit. Krank werden ist oft kein Unfall, sondern häufig Folge des Raubbaus am eigenen Körper, Folge eines chronischen Ungleichgewichts in der Seele und Folge einer schiefen mentalen Einstellung zum Leben. Alle wollen eine stabile Gesundheit. Aber wer fängt an, sich darüber Gedanken zu machen, dass sein Körper - dieses Wunderwerk der Schöpfung - ihm lediglich anvertraut worden ist? Kein Autofahrer würde auch nur einmal seinem Auto den falschen Treibstoff zumuten, aber er mutet seinem eigenen Körper täglich alle möglichen Gifte zu. Übergewicht, Alkoholkonsum, Drogen und Tabak gehören schon zur Normalität unseres Lebens. Hier ist viel zu tun und erhebliche Bewusstseinsarbeit zu leisten. Einer werdenden Mutter, die während der Schwangerschaft raucht oder trinkt, fehlt das klare Bewusstsein dafür, was sie sich selbst und ihrem ungeborenen Kind eigentlich antut. Ein Vater, der vor übertriebenem Arbeitseifer sich nur noch mit Kaffee puscht, hat kein klares Bewusstsein für die Verantwortung, die er als Beschützer und Ernährer der Familie trägt.

In der krisenpädagogischen Praxis wird ein wachsames Bewusstsein für die tägliche Ernährung geweckt, damit wir diesen Körper in einem anständigen Zustand dem Schöpfer wieder zurück geben. Nach den bisherigen Erfahrungen in der Ausbildung hören einige TeilnehmerInnen spontan auf zu rauchen, sobald sie sich mit einer solchen Einstellung zum Leben beschäftigen. Krisenpädagogik nimmt das Gebot "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" wörtlich: Fange an, dich zu lieben, zu schätzen und zu achten; nur dann bist du fähig, Andere zu lieben, zu schätzen und zu achten. Die Liebe zu sich selbst fängt mit der Pflege der eigenen Gesundheit an.

Hass, Feindschaft und Krieg sind vermeidbar, Liebe, Freundschaft und Frieden sind unvermeidbar.


 
Das ganzheitliche Gesundheitskonzept

Innere Harmonie

3.4. Das Ausbildungskonzept (
AUSBILDUNG )
In der Ausbildung wird die praktische Umsetzung des Konzepts in den Modulen 3 (Kommunikation) und 4 (Gesundheit) vermittelt, nachdem die Theorie in den Modulen 1 (Bewusstseinstheorie) und 2 (Sinntheorie) anschaulich vermittelt und mit entsprechenden Medien erlebbar gemacht wurde. Die Vernetzung von Erkennen und Handeln hat höchste Priorität, weil Tun immer Überzeugung voraussetzt. Erst die Einsicht führt zu einer neuen Sicht, und so ändert sich die Welt in den Augen der betroffenen Person. Das 5. Modul bringt nicht nur Theorie und Praxis zusammen. Es erhebt diese Synthese ins Spirituelle und Kosmische. Es werden Lichtblicke in ewig gültige Universalgesetze des Lebens vermittelt. Die Wissenschaft, die sich mit den Universalgesetzen des Lebens beschäftigt, nennt die Krisenpädagogik Evologie. Evologie - ein neuer Ausdruck, den es in keinem Lexikon gibt - fragt nach umfassenden Sinnzusammenhängen im Kosmos (und nicht nur im Individualleben). Evologie fragt nach den Gesetzen, die Himmel und Erde zusammen halten. Evologie ist die kosmologische Grundlage der Krisenpädagogik. Sie wurde erstmals im Jahre 2004 im Band 2 der Krisenpädagogik publiziert. Bei jedem der 5 Module führt Prof. Amini mindestens eine Beratung durch. Dabei erleben die TeilnehmerInnen live, wie das Theoriekonzept praktisch umgesetzt wird.

"Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden;
       es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun."
            (Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Hamburg 1950, S. 471)

3.5. Das Weiterbildungskonzept ( WEITERBILDUNG )
In der Weiterbildung, genannt Krisenpädagogicum, wird die praktische Umsetzung der Krisenpädagogik konsequent fortgesetzt. Hier geht es um Supervision, Monitoring und Beratung live. Teilnehmen darf nur, wer a) das Zertifikat erworben hat und b) schriftlich von Prof. Amini eingeladen wird. Die Idee ist: 1 bis 2 Mal im Jahr sollen zertifizierte KrisenpädagoInnen Gelegenheit erhalten, die eigene Beratungstätigkeit in einer kleinen Runde vorzustellen, über ihre Erfahrungen zu berichten und sich dabei intensiv supervidieren zu lassen. Das Krisenpädagogicum verfolgt das Ziel, lebenlanges Lernen in das Ausbildungskonzept der Krisenpädagogik aufzunehmen. Zwar erhalten die TeilnehmerInnen nach Teilnahme an 5 Einheiten das Abschlusszertifikat Krisenpädagogicum, dies jedoch soll nicht heißen, dass sie mit  Lernen fertig sind.  Albert Einstein saß einmal in einem Restaurant und aß zu Mittag. Dabei las er in einem Buch. Eine junge Damen, die ihn nicht kannte, setzte sich zu ihm und fragte, was er da lese. "Ich studiere Physik." war Einsteins Antwort. Die junge Dame schien erstaunt: "In Ihrem Alter? Ich bin schon seit 3 Jahren fertig." 

Es bleibt zu hoffen, dass die besten AbsolventInnen des Krisenpädagogicums künftige AusbilderInnen in Krisenpädagogik werden und diese Disziplin weiter tragen, als ihr Gründer dies zu tun vermochte.

© 2011 by Prof. Dr. Bijan Amini