Was
ist Krisenpädagogik?
Teil I:
Veränderung
Lernen
1.
Etwas lernen
2. Das Lernen lernen
3. Existentiell Bedeutsames lernen
Leitfrage: Was lernt der Mensch in
der Krise?
Erkennen
1.
Vernunft als Quelle des
Erkennens
2. Sinnliche Wahrnehmung als
Quelle des Erkennens
3. Erkennen als Synthese von
Vernunft und Sinneswahrnehmung
4. Exkurs: Reduktion des Erkennens
auf empirische Aussagen
Leitfrage: Verändert sich
die Welt, oder bleibt sie sich
gleich?
Kultur
1.
Stellung des Menschen
2. Stellenwert der Institutionen
Leitfrage: Basiert die Kultur auf
Erhaltung oder auf
Veränderung?
Identität
1.
Persönliche
Identität und soziale
Identität
2. Ich-Identität oder
Identitäts-Balance
Leitfrage: Wie wirken sich
kulturelle Veränderungen auf die
Identität aus?
Teil II: Sinn
Existenz und Geist
Frankls
Sinntheorie
1.
Zum Terminus "Existenzanalyse"
2. Zum Terminus "Logotherapie"
3. Zum Terminus "Therapie"
Phänomenologie
des Sinns
1.
Exkurs über
"Phänomenologie"
2. Wesenszüge des
Sinnbegriffs bei Viktor E. Frankl
Sinntheorie
als integrative Anthropologie
Sinn und
Werte
1.
Schöpferische Werte
2. Erlebniswerte
3. Einstellungswerte
4. Zur Rangordnung der Werte
Übersinn -
metatheoretischer Ausblick
Literatur
Leseprobe
aus der Einleitung
Zwischen der
Krisenpsychologie und der
Krisenpädagogik gibt es Gemeinsamkeiten, aber auch klare
Grenzen.
Die Gemeinsamkeit liegt in der wissenschaftlichen Erforschung von
Krisentypen und Krisenverläufen. Die Grenze verläuft
zwischen
Krisenprävention bzw. Krisenberatung hier und Krisentherapie
dort.
Die Krisenpsychologie wird auf den Plan gerufen, nachdem das Kind in
den Brunnen gefallen und am Ertrinken ist. Die Krisenpädagogik
tut
hingegen alles, damit das Kind gar nicht erst hineinfällt und
im
Falle des Falles möglichst aus eigener Kraft wieder
herauskommt.
Das
Hauptanliegen der Pädagogik liegt darin, Menschen auf das
Leben vorzubereiten. Nun kommen Krisen im Leben eines jeden Menschen
vor, daher sollte die Pädagogik ihre Verantwortung
für diesen
Aufgabenbereich in gebührendem Maße wahrnehmen. Wir
dürfen nicht warten, bis unsere Kinder ins Wasser fallen. Wir
sollten beizeiten Schwimmkurse einrichten.
Das
Bild macht deutlich, daß die Krisenpädagogik im
Vorfeld
der Therapie tätig sein muß. Sie hat Konzepte
für
Menschen zu entwickeln, die zwar in einer Krise stecken, aber nicht
Therapie, sondern eher Beratung oder Begleitung brauchen. Was vermag
die wissenschaftliche Pädagogik in dieser Hinsicht Menschen zu
bieten, die eine schwere Enttäuschung zu verarbeiten haben,
Eltern, die ein Kind verloren haben, Kindern, deren Eltern in Scheidung
leben, Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben worden sind, Opfern
und Hinterbliebenen eines Zug- oder Flugzeugunglücks?
Das
Feld der Krise ist, wie man sieht, pädagogisch noch nicht
bearbeitet. Dabei können Lebenskrisen wertvolle
Anlässe
für einmalige Lernprozesse sein. Das Wort Krise kommt aus dem
Griechischen krísis und bedeutet entscheidende Wende. Ein
Leben ohne entscheidende Wendepunkte gibt es nicht.
Warum
bereitet die Pädagogik die Menschen nicht auf solche
Ereignisse im Leben vor? Krisenpädagogik
geht von der Grundüberzeugung aus, daß
es wichtig ist, Menschen für den Sinn von Lebenskrisen zu
sensibilisieren. Das Prinzip Hoffnung der Krisenpädagogik
liegt
darin, daß der Mensch, wenn er in einer Krise steckt, nicht
verzweifelt, sondern nach dem Sinn dieser Krise für sein
künftiges Leben sucht. Diese Sinnsuche wird zwar weder seinen
Schmerz beheben noch seinen Verlust ersetzen, wohl aber dem Leiden die
quälende Sinnlosigkeit nehmen. Wem es gelingt, in seinem
Leiden
einen Sinn zu erkennen, der leidet nicht nur, er leistet etwas, er
erfüllt eine Aufgabe, die ihm durch die Krise zugetragen
worden
ist.
In seinem Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung" schreibt Ernst Bloch, er
versuche, an die Hoffnung, als eine Weltstelle, die bewohnt ist wie das
beste Kulturland und unerforscht wie die Antarktis, Philosophie zu
bringen (Bloch 1973, S. 5).
Nun,
die Krisenpädagogik bemüht sich darum, an die
Erziehung,
die so leicht aussieht wie Fahrradfahren und so schwer ist wie
Balancehalten, Sinn heranzutragen. Krisenpädagogik
befaßt sich mit der Beschreibung, Analyse
und Sinnhaftigkeit von Lebenskrisen.
Ihr Ziel ist die Erziehung des Menschen zum Sinn, d. h. die
Sensibilisierung von jung und alt für die Sinnsuche in
schicksalhaften Lebensereignissen.
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