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:::   K R I S E N P Ä D A G O G I K    B A N D  1   :::

    Bijan Adl-Amini

    Krisenpädagogik Band 1 : Veränderung und Sinn

Inhaltsverzeichnis  (bestellen 25,00 €)
    Was ist Krisenpädagogik?

    Teil I: Veränderung

    Lernen
      1. Etwas lernen
      2. Das Lernen lernen
      3. Existentiell Bedeutsames lernen
      Leitfrage: Was lernt der Mensch in der Krise?
    Erkennen
      1. Vernunft als Quelle des Erkennens
      2. Sinnliche Wahrnehmung als Quelle des Erkennens
      3. Erkennen als Synthese von Vernunft und Sinneswahrnehmung
      4. Exkurs: Reduktion des Erkennens auf empirische Aussagen
          Leitfrage: Verändert sich die Welt, oder bleibt sie sich gleich?
    Kultur
      1. Stellung des Menschen
      2. Stellenwert der Institutionen
          Leitfrage: Basiert die Kultur auf Erhaltung oder auf Veränderung?
    Identität
      1. Persönliche Identität und soziale Identität
      2. Ich-Identität oder Identitäts-Balance
          Leitfrage: Wie wirken sich kulturelle Veränderungen auf die Identität aus?

    Teil II: Sinn
Existenz und Geist

Frankls Sinntheorie
    1. Zum Terminus "Existenzanalyse"
    2. Zum Terminus "Logotherapie"
    3. Zum Terminus "Therapie"
Phänomenologie des Sinns
    1. Exkurs über "Phänomenologie"
    2. Wesenszüge des Sinnbegriffs bei Viktor E. Frankl
Sinntheorie als integrative Anthropologie
    1. Dimensionalontologie
Sinn und Werte
    1. Schöpferische Werte
    2. Erlebniswerte
    3. Einstellungswerte
    4. Zur Rangordnung der Werte
Übersinn  -  metatheoretischer Ausblick

Literatur


Leseprobe aus der Einleitung

Zwischen der Krisenpsychologie und der Krisenpädagogik gibt es Gemeinsamkeiten, aber auch klare Grenzen. Die Gemeinsamkeit liegt in der wissenschaftlichen Erforschung von Krisentypen und Krisenverläufen. Die Grenze verläuft zwischen Krisenprävention bzw. Krisenberatung hier und Krisentherapie dort. Die Krisenpsychologie wird auf den Plan gerufen, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen und am Ertrinken ist. Die Krisenpädagogik tut hingegen alles, damit das Kind gar nicht erst hineinfällt und im Falle des Falles möglichst aus eigener Kraft wieder herauskommt.

Das Hauptanliegen der Pädagogik liegt darin, Menschen auf das Leben vorzubereiten. Nun kommen Krisen im Leben eines jeden Menschen vor, daher sollte die Pädagogik ihre Verantwortung für diesen Aufgabenbereich in gebührendem Maße wahrnehmen. Wir dürfen nicht warten, bis unsere Kinder ins Wasser fallen. Wir sollten beizeiten Schwimmkurse einrichten.

Das Bild macht deutlich, daß die Krisenpädagogik im Vorfeld der Therapie tätig sein muß. Sie hat Konzepte für Menschen zu entwickeln, die zwar in einer Krise stecken, aber nicht Therapie, sondern eher Beratung oder Begleitung brauchen. Was vermag die wissenschaftliche Pädagogik in dieser Hinsicht Menschen zu bieten, die eine schwere Enttäuschung zu verarbeiten haben, Eltern, die ein Kind verloren haben, Kindern, deren Eltern in Scheidung leben, Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben worden sind, Opfern und Hinterbliebenen eines Zug- oder Flugzeugunglücks?

Das Feld der Krise ist, wie man sieht, pädagogisch noch nicht bearbeitet. Dabei können Lebenskrisen wertvolle Anlässe für einmalige Lernprozesse sein. Das Wort Krise kommt aus dem Griechischen krísis und bedeutet entscheidende Wende. Ein Leben ohne entscheidende Wendepunkte gibt es nicht.

Warum bereitet die Pädagogik die Menschen nicht auf solche Ereignisse im Leben vor? Krisenpädagogik geht von der Grundüberzeugung aus, daß es wichtig ist, Menschen für den Sinn von Lebenskrisen zu sensibilisieren. Das Prinzip Hoffnung der Krisenpädagogik liegt darin, daß der Mensch, wenn er in einer Krise steckt, nicht verzweifelt, sondern nach dem Sinn dieser Krise für sein künftiges Leben sucht. Diese Sinnsuche wird zwar weder seinen Schmerz beheben noch seinen Verlust ersetzen, wohl aber dem Leiden die quälende Sinnlosigkeit nehmen. Wem es gelingt, in seinem Leiden einen Sinn zu erkennen, der leidet nicht nur, er leistet etwas, er erfüllt eine Aufgabe, die ihm durch die Krise zugetragen worden ist. In seinem Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung" schreibt Ernst Bloch, er versuche, an die Hoffnung, als eine Weltstelle, die bewohnt ist wie das beste Kulturland und unerforscht wie die Antarktis, Philosophie zu bringen (Bloch 1973, S. 5).

Nun, die Krisenpädagogik bemüht sich darum, an die Erziehung, die so leicht aussieht wie Fahrradfahren und so schwer ist wie Balancehalten, Sinn heranzutragen. Krisenpädagogik befaßt sich mit der Beschreibung, Analyse und Sinnhaftigkeit von Lebenskrisen. Ihr Ziel ist die Erziehung des Menschen zum Sinn, d. h. die Sensibilisierung von jung und alt für die Sinnsuche in schicksalhaften Lebensereignissen
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