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Bijan Adl-Amini
Krisenpädagogik Band 2: Krise und Entwicklung
Wissensfelder und Kompetenzen
2. Wissen und Instinkt 3. Wie entsteht Wissen? 4. Wissenserwerb als konstruktive Tätigkeit
2. Was tun, wenn die Sachkompetenz versagt? 3. Alte Sachkompetenzen weiter pflegen? 4. Neue Sachkompetenzen erwerben
2. Krisenbewältigung durch Selbstkompetenz 3. Was tun, wenn die Selbstkompetenz versagt? 4. Selbstkompetenz als die Suche nach Selbst 5. Selbstkompetenz als die Suche nach Sinn
2. Kommunikation als Mit-teilen 3. Was tun, wenn die Sozialkompetenz versagt? 4. Sozialkompetenz als kommunikative Zuwendung
2. Axiome der Kommunikation 3. Wir hören auf vier Ohren 4. Kommunikation aus pädagogischer Sicht
2. Sache und Phänomen 3. Jedes Phänomen hat zwei Seiten 4. Jede Krise hat zwei Seiten 4.1 Die zwei Seiten einer Verlustkrise 4.2 Die zwei Seiten einer Krankheit 4.3 Die zwei Seiten einer Rache
2. Universale Gesetze der Entwicklung
2. Schicksalsschlag als Lernangebot
2. Schwangerschaft als spirituelle Erfahrung
1.1 Die ewige Formel des Lebens 1.2 Polarität als Lebensphilosophie
2.1 Die Einheit der polaren Gegensätze 2.2 Die Einheit als Urgrund und Ursprung 2.3 Der Kreis als Symbol der Einheit 2.4 Die Einheit als Sphäre des Schöpfers
3.1 Das Rätsel der Einheit 3.2 Liebe - der Drang zur Einswerdung Literatur Leseprobe aus dem Schluss
In seiner meisterhaft geschriebenen Autobiografie "Mein linker Fuß" schreibt Christy Brown über sein Leben als Krüppel. Wegen einer infantilen Parese (Kinderlähmung) kann er außer seinem linken Bein keinen Körperteil benutzen bzw. kontrolliert einsetzen. Die Hände sind gänzlich unbrauchbar, so dass er für die Nahrungsaufnahme und andere tägliche Verrichtungen auf fremde Hilfe angewiesen ist. Seine Sprache besteht aus Grunzlauten, die nur ihm vertraute Menschen verstehen. Er kann weder aufrecht sitzen noch stehen, geschweige denn gehen. Aus dieser Not entwickelt er eine erstaunliche Tugend. Er greift, schreibt und malt einzig und allein mit seinem linken Fuß. Dieser Zustand - gesunder Geist in einem verkrüppelten Körper - dauert die ganze Kindheit hindurch bis hin zur Adoleszenz. Normale Menschen können sich die Reduktion des gesamten Körperapparats auf einen einzigen Teil nicht so recht vorstellen. Darum ist es meine Absicht, zum Schluss bei Leserinnen und Lesern ein Bewusstsein für die Dankbarkeit wachzurufen. Da verliert jemand seine Arbeit und will deshalb gleich sein Leben wegwerfen. Da erlebt jemand eine große Enttäuschung und greift zum Alkohol, um den Kummer zu ertränken. Da muss jemand eine Niederlage hinnehmen, und schon kommt er sich vollkommen wertlos vor. Gewiss, Leiden ist Leiden, und es lässt eigentlich keine Vergleiche zu. Aber im Einfühlen in die Situation eines anderen Menschen relativiert sich bisweilen das eigene Problem doch noch. Wer sein Schicksal beklagt, sollte an den Satz denken: Schicksal ist, was einem erspart geblieben ist.
Das
Gefühl für die Relativität des Leides und
das
Offensein für Dankbarkeit sind die Angelegenheit des
Bewusstseins.
Wer dankbar sein kann, findet viele Gründe dafür; und
wer es
nicht sein kann oder will, findet keinen einzigen Grund. Das ist eine
Frage der Einstellung, aber auch der Übung. Wie eine einfache
Übung aussehen könnte, möchte ich an einem
Gedicht aus
Goethes Westöstlichem Divan zeigen: "Im Atemholen
sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehen, sich ihrer entladen. Jenes bedrängt, dieses erfrischt; So wunderbar ist das Leben gemischt. Du danke Gott, wenn er dich presst, Und dank' ihm, wenn er dich wieder entlässt." (Goethe 1967b, S. 10)
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